Wahrheiten und die Frage nach dem bestmöglichen Ergebnis – Ein Fall, der zum Nachdenken zwingt

Wahrheiten und die Frage nach dem bestmöglichen Ergebnis – Ein Fall, der zum Nachdenken zwingt

Als Nebenklagevertreterin ist es meine Aufgabe, den Opfern von Straftaten vor Gericht eine Stimme zu geben. Dieser Fall um einer Vergewaltigung in einem Würzburger Club im August 2022 zeigt eindrücklich, wie schwierig Wahrheitsfindung sein kann – und wie belastend der Prozess für Betroffene ist. Aber auch, dass das Ergebnis einer verhältnismäßig geringen Strafe genau das richtige sein kann.

Die Beweislage war in diesem Fall bemerkenswert: Eine besonnene Freundin sicherte noch vor Ort entscheidende Hinweise, Überwachungskameras dokumentierten das Geschehen. Doch die entscheidenden 2 Minuten und 41 Sekunden blieben ohne Videoaufnahme. Genau diesen Spielraum nutzte der Angeklagte – mit immer neuen Versionen seiner Darstellung.

Für meine Mandantin, bedeutete jede neue Version eine erneute Konfrontation mit dem Erlebten und trotzdem blieb auch sie ruhig und handelte besonnen. Nach ausführlicher Beratung und Verhandlung stellte sich die Frage, was es ist, das meiner Mandanten in der sowieso schon schwierigen Situation der Geschädigten am besten weiterhilft:

Eine möglichst hohe Strafe, damit der Täter so eine Tat hoffentlich nie wieder begeht? Oder die strenge Kontrolle einer Bewährung mit der Auflage Schadensersatz und Schmerzensgeld zu zahlen.

Die Staatsanwaltschaft forderte vier Jahre Haft. Seitens der Nebenklage klagten wir im sog. Adhäsionsverfahren Schadensersatz und Schmerzensgeld ein und verhandelten außerhalb der Hauptverhandlung hierüber intensiv mit der Verteidigung.

Am Ende gab es den bestmöglichen Ausgang aus Sicht meiner Mandantin. Die Freiheitsentziehung durch die verbüßte Untersuchungshaft genügte ihr als Sühne. Mit einer 5jährigen Bewährungszeit und der Auflage während dieser Zeit ratenweise Schadensersatz von über 10.000 EUR zu zahlen war meine Mandantin überaus zufrieden.

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Dieser Fall zeigt: Wahrheitsfindung braucht Mut, Sorgfalt und Menschen, die bereit sind, für die Betroffenen einzustehen.

Der Fall zeigt auch, dass stets auf die individuelle Situation der Mandantschaft zu achten ist und eine enge Zusammenarbeit und gute Kommunikation für eine erfolgreiche Vertretung unerlässlich ist. Glücklicherweise ist dies auch in englischer Sprache kein Problem.